89 Jahre Lebensmut: Warum Irene Höflich bis heute an Gemeinschaft und Hoffnung glaubt
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| Foto: Sebastian Pokojski |
Irene Höflich aus Oer-Erkenschwick hat in ihrem Leben viel erlebt: Krieg, persönliche Schicksalsschläge, ehrenamtliches Engagement und die Freude an einer großen Familie. Mit 89 Jahren blickt sie auf ein bewegtes Leben zurück, das von Mut, Zusammenhalt und sozialem Engagement geprägt wurde. Im Interview erzählt sie von ihrer Kindheit im Vest, ihren Erfahrungen während des Zweiten Weltkriegs und davon, warum Gemeinschaft für sie bis heute so wichtig ist.
Liebe Irene, vielen Dank, dass du dir Zeit für dieses Interview genommen hast.
Wer bist du, und wie würdest du dich selbst in drei Sätzen beschreiben? Wo im Vest lebst du, und was bedeutet dir dieser Ort?
Mein Name ist Irene Höflich. Ich bin den Menschen zugewandt und bin für Gerechtigkeit sowie familiären Zusammenhalt. Mit 89 Jahren bin ich Urgroßmutter, lebe eigenständig in Oer-Erkenschwick und bin von meiner Familie umgeben. Für mich ist dieser Ort meine Heimat.
Welche Stationen in deinem Leben haben dich besonders geprägt?
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| Familien-Foto aus alten Zeiten Fotos: privat |
Geboren und aufgewachsen bin ich in Recklinghausen. Besonders geprägt hat mich meine Kindheit. Bereits als neun Monate altes Baby lag ich aufgrund einer doppelten Lungenentzündung im Sterben. Eine Ordensschwester, Schwester Bertrandis, begleitete mich damals im Stadtteil Grullbad während der Nachtwachen und rettete mir das Leben.
Später rettete ich mich selbst: An meinem vierten Geburtstag wurde ich in einen Fischteich geschubst und konnte mich eigenständig ans Ufer retten. So bin ich, noch bevor der Zweite Weltkrieg mein Leben prägte, bereits zweimal dem Tod entgangen.
Meine Kindheit verbrachte ich mit vielen anderen Kindern. Zum Schwimmen liefen wir weite Strecken bis zum Kanal. Obwohl ich nicht schwimmen konnte, sprang ich einfach ins Wasser und schwamm los. Das Ende des Zweiten Weltkriegs erlebte ich mit acht Jahren. Während der Bombardierungen mussten wir oft so, wie wir gerade gekleidet waren, in den Bunker laufen. Jeder hatte immer eine gepackte Tasche bereitstehen.
Einmal wurde unser Bunker so stark erschüttert, dass er regelrecht schwankte. Eine Bombe schlug direkt hinter uns ein. Ich habe die Bomben wie Regentropfen vom Himmel fallen sehen. Bei der Kommunion meines Bruders landeten nach einem Angriff sogar Glasscherben im Pudding, der draußen als Nachtisch bereitstand. Nach Kriegsende und einem Umzug begann für mich ein neuer Lebensabschnitt.
Welche Rolle spielt das Vest in deinem Arbeitsalltag?
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| 1958 in Österreich |
Was hast du neben dem Berufsalltag gemacht, und welche Herausforderungen sind dir begegnet?
Als meine Tochter Steffi zur Kommunion kam, begann ich mit meiner ehrenamtlichen Tätigkeit. Schon seit meiner Kindheit war ich sportlich aktiv und engagierte mich in Vereinen. Zehn Jahre lang leitete ich eine Gymnastikgruppe.
Meine Ehrenämter habe ich stets im Recklinghäuser Stadtgebiet ausgeübt. Bewegung war mir immer wichtig. So gewann ich unter anderem die Stadtmeisterschaften im Schwimmen. Besonders am Herzen lagen mir die Menschen, sei es im kirchlichen Engagement oder in meiner Tätigkeit auf dem Schulbauernhof, auf dem ich bis heute aktiv bin.
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| Irene Höflich mit dem Team vom Schulbauernhof, dort ist sie auch in puncto Blumenschmuck kreativ. Fotos: privat |
Große Freude bereiteten mir meine Enkelkinder. Seit ihrer Geburt habe ich ihre Familien intensiv begleitet und unterstützt. Außerdem habe ich meine Mutter bis zu ihrem Tod gepflegt.
Was macht das Vest für dich einzigartig?
Von Anfang an bin ich gerne zu den Ruhrfestspielen gegangen. Früher besuchte ich auch regelmäßig Veranstaltungen im Saalbau und begegnete dort vielen bekannten Schauspielern.
Der Schulbauernhof in Berghausen war für mich stets ein Ort der Kreativität und des Wohlfühlens. Ebenso bedeutend war für mich das Singen in Chören.
Welche Werte sind dir im Leben besonders wichtig? Gab es Momente, die dein Leben nachhaltig verändert haben?
Ehrlichkeit und gegenseitiges Verständnis sind mir besonders wichtig. Bei Konflikten sind mir das Gespräch und die Bereitschaft zum Verzeihen ein großes Anliegen.
Es gab verschiedene Ereignisse, die mich nachhaltig geprägt haben. Dazu gehören die Flutkatastrophe im Ahrtal, die ich während einer Rehabilitation nach einer Krebsoperation miterlebt habe, sowie die Corona-Pandemie. Diese Erfahrungen waren belastend, haben mich aber auch gestärkt.
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| In Quarantäne nach Corona-Verdacht: drei Tage nach Irene Höflichs OP Foto: privat |
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| Spaß beim Eherenamt der Caritas Foto: privat |
meinen Enkeln Ski gefahren. Über die Kolpingsfamilie habe ich an zahlreichen Fahrradtouren teilgenommen. Bis zu meinem 85. Lebensjahr war ich täglich mit dem Fahrrad unterwegs, um meine Einkäufe zu erledigen.
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| Mit 80 noch auf den Skiern Foto: privat |
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| Fahrradtour mit der Kolpingsfamilie Surk Foto: Sebastian Pokojski |
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| Afrikanisches Chorprojekt von "Querbet" Foto: Sebastian Pokojski |
Menschen und das Gefühl von Gemeinschaft inspirieren mich bis heute.
Was wünschst du dir für das Zusammenleben im Vest?
Ich wünsche mir eine Gemeinschaft, die friedlich miteinander lebt und sich gegenseitig unterstützt.
Welche Themen bewegen dich aktuell besonders?
Die politische Lage beschäftigt mich derzeit sehr. Demokratie und gesellschaftlicher Zusammenhalt sind für mich wichtige Themen.
Welchen Rat würdest du uns mit auf den Weg geben?
Als Mensch sollte man immer Zuversicht haben und niemals aufgeben. Auch wenn die aktuelle Zeit viele Herausforderungen mit sich bringt, vertraue ich darauf, dass es wieder besser wird.
Irene Höflich zeigt eindrucksvoll, wie Mut, Engagement und Zusammenhalt ein ganzes Leben prägen können. Ihre Geschichte steht stellvertretend für viele Menschen im Vest, die trotz aller Herausforderungen nie den Glauben an das Gute verloren haben.














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