Mit Herz und Haltung – Astrid Roth über Verantwortung, Heimat und Zufriedenheit
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| Astrid Roth – Sozialarbeiterin mit Herz und Haltung, tief verwurzelt in Recklinghausen. Unterwegs im Vest – Täglich mit dem Rad zu ihren Hausbesuchen unterwegs. Fotos: Sebastian Pokojski |
Astrid Roth ist in Recklinghausen geboren und geblieben – aus Überzeugung. Die Sozialarbeiterin beim Gesundheitsamt des Kreises Recklinghausen spricht über Heimatgefühl, berufliche Erfüllung und die Bedeutung von Verantwortung im Umgang mit Menschen. Ihr Lebensweg zeigt, wie tief Verbundenheit und Menschlichkeit im Vest verwurzelt sind.
Danke, dass du dir Zeit für unser Interview genommen hast. Erzähle bitte für unsere Leserinnen und Leser: Wer bist du, und wie würdest du dich selbst in drei Sätzen beschreiben?
Ich bin Astrid Roth und 65 Jahre alt. Ich bin hier in Recklinghausen geboren und nie aus der Stadt weggezogen – das habe ich auch nie bereut. Seit über 30 Jahren arbeite ich beim Gesundheitsamt des Kreises Recklinghausen als Sozialarbeiterin.
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Welche Stationen in deinem Leben haben dich besonders geprägt?
Für mein Studium hätte ich wegziehen müssen, habe mich aber bewusst entschieden, hier zu bleiben und in Bochum Soziale Arbeit an der Evangelischen Fachhochschule zu studieren. Von meinem 18. bis 21. Lebensjahr habe ich eine Ausbildung zur Erzieherin gemacht und war fünf Jahre lang Gruppenleiterin in einem Kindergarten. Mit 29 Jahren habe ich mein Abitur nachgeholt und erst danach studiert. Seit meinem 34. Lebensjahr arbeite ich beim Gesundheitsamt des Kreises Recklinghausen.
Wo im Vest lebst du, und was bedeutet dir dieser Ort?
Ich fühle mich hier in Recklinghausen sehr wohl. Heimat ist für mich dort, wo ich lebe. Ich mag es, dass mir Recklinghausen so vertraut ist – es gibt hier eine gute Mischung aus Natur und Kultur.
Was machst du beruflich, und wie bist du dazu gekommen?
Ich hatte zunächst gedacht, dass mich die Arbeit mit Kindern erfüllt. Doch beim sozialpsychiatrischen Dienst habe ich den Austausch mit Erwachsenen als sehr bereichernd empfunden. Mich interessieren die Lebensgeschichten meiner Klientinnen und Klienten.
Welche Rolle spielt das Vest in deinem Arbeitsalltag?
Mein Arbeitsplatz liegt in meinem Umfeld, wo ich auch wohne – damit habe ich aber kein Problem. Ich bin nur mit dem Rad unterwegs, zur Arbeit sowie zu meinen beruflichen Hausbesuchen.
Was macht dir an deiner Arbeit am meisten Freude, und welche Herausforderungen begegnen dir im Alltag?
Ich mag es zu erleben, dass krisenbehaftete Menschen reifen und Verantwortung für sich übernehmen. Oft braucht es eine Krise, um sich weiterzuentwickeln. Ich glaube daran, dass es keine Entwicklung ohne Krisen gibt – und ich helfe gerne, wenn ich Verantwortung übernehmen muss, weil Menschen dazu vorübergehend nicht in der Lage sind. Dabei prüfe ich mich selbst sehr genau.
Was macht das Vest für dich einzigartig?
Momentan finde ich es einzigartig, den Wandel von einer Zechenregion zur Kulturregion mitzuerleben.
Gibt es einen Ort im Vest, der dir besonders am Herzen liegt?
Die Mollbeck-Teiche im Norden von Recklinghausen sind für mich ein besonderer Ort mit hohem Erholungs- und Wohlfühlfaktor.
Welche Erinnerungen verbindest du mit deiner Heimatregion?
Ich erinnere mich an erlebnisreiche Straßenfeste, die den Zusammenhalt in der Nachbarschaft gefördert haben. Das macht für mich das Ruhrgebiet aus – der direkte Austausch, das offene Wort und der ehrliche Umgangston. Das Herz liegt hier auf der Zunge, und das schätze ich sehr.
Welche Werte sind dir im Leben besonders wichtig?
Respekt und die Akzeptanz von Andersartigkeit. Gleichberechtigung von Mann und Frau sind mir ebenso wichtig. Wenn wir jeden Tag eine gute Tat täten, hätten wir eine bessere Welt.
Gab es einen Moment, der dein Leben nachhaltig verändert hat?
Der Tod meiner Mutter vor vier Jahren hat mich tief bewegt. Ich war in ihrer Todesstunde dabei und habe ihre Hand gehalten – dadurch ist mir die Endlichkeit des Lebens bewusst geworden. Seitdem möchte ich die Jahre, die mir bleiben, bewusst gestalten und erleben.
Wer oder was inspiriert dich?
Ich bin ein Fan von Hape Kerkeling – er ist für mich eine inspirierende Persönlichkeit, die ich sehr schätze. Außerdem male ich gerne, und der Künstler René Magritte inspiriert mich mit seiner Bildsprache.
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| Kraft und Verletzlichkeit – Farben, die an die Menschen erinnern, mit denen sie arbeitet. Bild: Astrid Roth |
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| Aufbruch und Leichtigkeit – ein Bild für die Freiheit, das Leben bewusst zu gestalten Bild: Astrid Roth |
Was wünschst du dir für das Zusammenleben im Vest?
Ich wünsche mir, dass die Menschen zufriedener mit ihrer Situation sind. Natürlich gibt es immer Dinge, die verbessert werden können, aber man sollte den Blick auf das richten, was bereits geschaffen wurde. Im globalen Vergleich steht das Vest momentan sehr gut da.
Welche Themen bewegen dich aktuell besonders?
Ich sorge mich über den politischen Rechtsruck.
Was sollten die Menschen im Vest unbedingt über dich wissen?
Ich könnte im März 2027 in Rente gehen, habe aber bereits eine Verlängerung meines Arbeitsvertrags bis März 2029. Meinen Klientinnen und Klienten bleibe ich somit noch erhalten und kann meine drei Selbsthilfegruppen weiterführen. Für meine Zukunft ist mir wichtig, dass meine Zufriedenheit bleibt – und dass ich sie weiterhin spüren kann. Dieses wünsche ich auch meinen Mitmenschen.
Vielen Dank für das Interview und für die nächsten Jahre im Job alles Gute.




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